17.01.2007
Handel und Logistik in Rußland II

Logistik

 

Die Ausgangssituation für die Logistik Anfang der 90er Jahre darf als äußerst mangelhaft bezeichnet werden. Dies betraf sowohl die Lagerflächen als auch die Administration. In dieser Zeit fehlten allerdings auch die Käuferschichten für teure Importwaren, ein „BigMak“ kostete ca. 30.000 Rubel und die Inflationsrate war dreistellig.

 

Diese Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren Dank des boomenden Rohstoffmarktes grundlegend geändert. Rund um Moskau hat sich ein Ring aus neu erbauten Logistikstandorten gebildet. Die Masse der Warenströme läuft über Moskau und wird durch zahlreiche Hubs ins Landesinnere verteilt. Unter günstigsten Umständen werden Kunden in St. Petersburg oder an der Wolga noch im Nachtsprung erreicht. Aber es gibt natürlich auch Kunden hinter dem Ural. Für die 6.000 km Entfernung nach Irkutsk am Baikalsee müssen ca. 10 Tage kalkuliert werden. Die Logistikketten müssen diesen Anforderungen Rechnung tragen.

 

Der Zulauf aus Westeuropa wird in 4 bis 6 Tagen durch russische oder polnische Trucks bewältigt. Für die Zollabfertigung in Moskau muß ein weiterer Tag addiert werden. Da die Trucks ab Polen im Konvoi fahren ist ein eine gleichmäßige Steuerung der Wareneingänge sehr schwierig.

 

Wer sich zuweilen in Deutschland über die ausufernde Bürokratie beschwert erfährt in Rußland diverse Steigerungsmöglichkeiten. Es wird gern, häufig und willig gestempelt was die umfangreichen Formulare hergeben. Und so manche logistische Prozeßverbiegung resultiert aus der russischen Gesetzgebung. „The russian law“ ist natürlich auch Begründung für alle möglichen Sonderwünsche.

 

Die logistischen Abläufe entsprechen weitestgehend denen in Westeuropa. Die Lagerungs- und (Flur-)Fördertechnik stammt häufig aus Deutschland. Der Drang zu papierlosen oder hochtechnisierten Lösungen ist noch gering ausgeprägt, könnte sich aber mittelfristig ändern.

Entgegen manch landläufiger Auffassung ist der Arbeitskräftemarkt in den Ballungszentren angespannt. Erscheinen die aktuellen Löhne noch relativ preiswert, darf die hohe Dynamik in dieser Entwicklung nicht übersehen werden.

Eine Lehrlingsausbildung vergleichbar dem deutschen System existiert in Rußland nicht. Nach der Schulausbildung ist der Einstieg ins Berufsleben oder an eines der vielen „Institute“ (vergleichbar mit einer Fachschulausbildung) oder Universitäten üblich. Wer ein russisches Abschlußzeugnis zu bewerten hat wundere sich nicht über die hohen Zahlen, eine 5 steht hier für „sehr gut“ und die 1 für „ungenügend“.

 

Wer sich auf Land und Leute eingelassen hat wird bald feststellen, daß die Zusammenarbeit mit den russischen Kollegen sehr angenehm und erfüllt sein kann.

 

Die junge Generation ist kommunikativ, wissbegierig und aufgeschlossen. Die Handhabung eines Computers bedarf keiner Erklärung. ERP- oder WHM- Software kann mit relativ geringem Aufwand implementiert werden. Größere Sorgfalt und mehr Zeit sollte man allerdings auf Erklärung und Training der logistischen Prozesse legen. Offenbar besteht hier an den Bildungseinrichtungen noch ein gewisser Entwicklungsbedarf.

 

 




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