15.09.2006
Handel und Logistik in Russland I

 

Nach mehr als 10 Jahren in das riesige Land zurückgekehrt, stellt sich die Frage nach den Veränderungen.

Was hat sich in den letzten 10 Jahren in der russischen Logistik verändert? Und welche landes- und entwicklungstypischen Unterschiede bestehen heute im Vergleich zur westeuropäischen (Handels-)Logistik?

 

Die Erfahrungen dieses Berichts konzentrieren sich auf den Nabel von Rußland – Moskau. Die Entwicklungen der letzten Jahre sind bemerkenswert und stellenweise radikal.

 

Die sichtbarsten Entwicklungen betreffen den Einzelhandel. Der vormals allgegenwärtige Abakus ist Registrierkassen und modernen Verkaufsformen wie z.B. der Selbstbedienung gewichen. Noch vor 12 Jahren dominierte den Einzelhandel eine spezifische Variante von Vorauswahl und Bedienverkauf (Ware an Theke auswählen, mit Bon an der Kasse bezahlen und Ware gegen Bon an Theke abholen). Diese kundenzeitraubende Variante garantierte ein hohes Maß an Warensicherheit welche aufgrund des allgegenwärtigen Mangels wohl notwendig war. Heute ist Moskau voll in das globale Dorf integriert und kaum eine Logistikkette läuft am Herzen Russlands vorbei.

 

Dank moderner Kühltheken und einer teilweise üppigen Ausstattung mit Servicepersonal sind die hygienischen Standards auf hohem Niveau. Freilich, die Kühltheke wird von Pelmeni (gefüllte Teigtaschen) statt Pizza dominiert. An anderen Stellen fühlt man sich allerdings wie im deutschen Supermarkt um die Ecke.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Moskauer Handelslandschaft nicht wesentlich von anderen mitteleuropäischen Ländern. Kaum hat man einen der 4 Flughäfen von Moskau verlassen wird man von riesigen Einkaufszentren und den Werbebotschaften vieler internationaler Handelsketten begrüßt. Der zweite Blick offenbart eine üppige Vielfalt unterhalb dieser großflächigen Vertriebsformen. Der stark ausgebaute Kioskhandel wird ergänzt durch eine Vielzahl „fliegender“ Händler.

Eine gewisse Besonderheit sind die vielen unterschiedlichen Märkte unter freiem Himmel oder in Form von Büdchen-Städten. Neben den bekannten Typen für allerlei Agrarprodukte (ähnlich unseren Groß- oder Wochenmärkten) existieren auch andere für unterschiedliche Warengruppen, z.B. Autoersatzteile, Baumaterialien oder Gemälde. Allerdings sind diese Märkte nicht auf bestimmte Zeiten beschränkt sondern ständige, fest installierte Einrichtungen.

 

Überflüssig zu erwähnen, daß es keine Restriktionen bezüglich der Ladenöffnungszeiten gibt. Viele Händler werben mit 24h Dienstbereitschaft, allerdings werden diese dann in der Realität den Kundenströmen angepaßt (Ausnahmen bilden hier lediglich einige Supermärkte).

Die Sortimentsstrukturen unterscheiden sich, ergänzt durch landestypische Produkte, nicht wesentlich vom europäischen Standard. Einzelne Sortimente werden fast ausschließlich aus Importprodukten (z: B. Kosmetik) gebildet. In Anderen herrscht ein friedliches nebeneinander von einheimischen und importierten Waren (z.B. Textilien, Möbel).

 

Aufgrund des wachsenden Wohlstands der Bevölkerung darf der russische Markt wohl auch mittelfristig als Wachstumsmarkt bezeichnet werden.

Damit ist die Situation des Einzelhandels relativ komfortabel. Obwohl sich stellenweise Saturationsgrenzen abzeichnen wird der Markt bisher nicht von (preis-) aggressiven Discountern dominiert.

 

 

 

 




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